Die Arbeit eines harten Tages

in #deutsch6 years ago

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Das hat man nun davon. Reicht man einmal den kleinen Finger, wird einem gleich die ganze Hand abgebissen.

Nachdem ich nun dem immer lauter werdenen Grummeln und Grommeln der Kleinen nichts mehr entgegenzusetzen hatte, musste ich ran an die Front. Meine Waffen wurden die Buntstifte und das Schlachtfeld das Anpanman-Malbuch. Lieber hätte ich ja zugesehen, wie alles ohne meine Mithilfe bunt gestaltet und designed wird.

Nach und nach wurde mir jede erdenkliche Farbe entgegen gestreckt und förmlich in die Hand geklemmt. Ohne jedwegliches Zögern wurde mit immer strenger werdenem Fauchen quittiert. Der Schweiß stand mir auf der Stirn, in so einem strengen Regime hatte ich schon lange nicht mehr gedient.

Und noch bedenklicher wurde es, als mir klar war, dass ich rekrutiert wurde, um die Schlacht wohl alleine zu schlagen. Der Feldwebel hat mir immer zu Befehle zugeschnarrt und, wenn ich nach Auffassung der Obrigkeit anfing zu versagen, die Waffen aus der Hand geschlagen. Das der Kampf für mich nicht so schnell zu Ende sein wird, hatte ich auch daran gemerkt, dass diese sofort durch neues Kampfmaterial ersetzt wurden.

Das dieser Krieg nicht zu gewinnen war, hat sich dann spätestens daran gezeigt, als der Feldwebel sich Stück für Stück vom Ort des Geschehens entfernte, und sich Dingen zugewendet hatte, die scheinbar vielversprechender waren. So war ich auf einmal ganz alleine gestellt, zwar mit einem erstaunlichen Waffenarsenal aber ohne dazugehörigen Waffenschein.

Davonschleichen ging nicht, um nicht als Desertierer aufgegriffen und vor das Kriegsgericht gestellt zu werden. Also blieb ich im Schützengraben bis sich dann doch endlich ein unbeobachteter Moment ergab, und ich es wagte die Waffen zu strecken. Das anschließende Einsammeln der Kriegsgeräte wurde natürlich überhaupt nicht gutgeheißen, aber dann doch letztendlich unter Protest akzeptiert. Es gab ja die Aussicht auf ein neues Schlachtfeld.

Es sind turbulente Zeiten, die hier tagsüber herrschen, und es ist nicht immer deutlich wo die Fronten denn genau verlaufen und wer sich die ganze Zeit gegenüber steht. Die Seiten werden oft gewechselt, so dass fürwahr keine Langeweile aufkommen kann.

Ganz im Gegenteil, Ruhepausen sind spärlich gesät und die Forderungen sind hoch und werden laut und deutlich und mit Nachdruck ausgedrückt. Manchmal hilft nur die Flucht. Mein großer Vorteil sind meine flinken und langen Beine, die zum Glück auch die Barrikaden überwinden können, an denen die Anstifter dieses täglichen Tohowabus immer noch scheitern. Der Ansturm erfolgt unermüdlich und täglich rollen neue Angriffswellen. Zu meiner Erleichterung halten die Blockaden noch und das Schlachtfeld bleibt räumlich eingegrenzt.

Aber ich sehe schon die Zeiten kommen, in denen dann alle Dämme brechen und sich das Kampfesgeschehen wie eine eine nicht zu bändigende, alles mitreißende Sturmflut über den Rest unseres Hauses ergießen wird.

Dann wird mir wohl wirklich nur noch der ungeordnete Rückzug bleiben. Und dann müssen sich andere beweisen müssen und dürfen den Helden spielen. Den Platz im Rampenlicht gebe ich gerne einmal für einige Zeit ab. Aber bis es soweit kommt, werde ich wohl noch einige Zeit als Hauptdarsteller in den verschiedensten Dramen und Komödien gebucht werden. Und um ehrlich zu sein, ist das doch die Rolle meines Lebens!

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Die kleinen Generäle sind die zielstrebigsten Strategen.
Aber solche Schlachten verliert man doch gerne.

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