𝗗𝗶𝗲 𝗔𝗳𝗗 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝗛𝗼𝗺𝗲𝘀𝗰𝗵𝗼𝗼𝗹𝗶𝗻𝗴 𝗲𝗿𝗹𝗮𝘂𝗯𝗲𝗻

in #deutsch12 hours ago

– 𝘂𝗻𝗱 𝗶𝗻 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗺 𝗣𝘂𝗻𝗸𝘁 𝗵𝗮𝘁 𝘀𝗶𝗲 𝗺𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗭𝘂𝘀𝘁𝗶𝗺𝗺𝘂𝗻𝗴

𝗗𝗮𝘀 𝗪𝗮𝗵𝗹𝗽𝗿𝗼𝗴𝗿𝗮𝗺𝗺 𝗱𝗲𝗿 𝗔𝗳𝗗 𝗶𝗻 𝗦𝗮𝗰𝗵𝘀𝗲𝗻-𝗔𝗻𝗵𝗮𝗹𝘁 𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗲𝗺 𝗣𝗿ü𝗳𝘀𝘁𝗮𝗻𝗱 – 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟭

Ich gehöre tatsächlich zu jener seltsamen Minderheit, die Wahlprogramme nicht nur anhand von drei Schlagzeilen, zwei empörten Videos und einem schlecht gelaunten Kommentar beurteilt. Vor zwei Jahren habe ich mir zur Landtagswahl in Thüringen die Wahlprogramme aller Parteien durchgelesen. Nun mache ich dasselbe mit den Programmen für Sachsen-Anhalt, obwohl ich dort mein Kreuz überhaupt nicht machen kann.

Andere Menschen lesen Fußballtabellen oder Kriminalromane. Ich lese Wahlprogramme mit teilweise weit über 100 Seiten. Jeder braucht offenbar ein Hobby, und meines ist besonders geeignet, um auf Feiern künftig nicht mehr eingeladen zu werden.

In dieser Beitragsreihe werde ich das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt Stück für Stück betrachten. Ich werde schreiben, was ich daran positiv finde, was ich ablehne, was vernünftig klingt und was vermutlich schon an der Wirklichkeit oder am geltenden Recht zerschellt. Das wird weder eine Werbeveranstaltung für die AfD noch das übliche Ritual, bei dem grundsätzlich alles schlecht sein muss, nur weil die drei Buchstaben AfD darüberstehen.

Politik ist kein Fußballverein. Man muss nicht bei jedem Thema dieselbe Fahne schwenken.

𝗧𝗵𝗲𝗺𝗮 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲: 𝗕𝗶𝗹𝗱𝘂𝗻𝗴𝘀𝗽𝗳𝗹𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘀𝘁𝗮𝘁𝘁 𝗦𝗰𝗵𝘂𝗹𝘇𝘄𝗮𝗻𝗴

Die AfD fordert in ihrem Programm eine Wahlmöglichkeit zwischen dem Besuch einer Schule und dem Unterricht zu Hause. Dabei soll es ausdrücklich nicht genügen, das Kind morgens mit einem Tablet, einer Tüte Chips und den besten Wünschen der Familie im Kinderzimmer abzustellen.

Im veröffentlichten Programmtext heißt es:

„Bildungspflicht statt Schulzwang!“

„Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht“

„halbjährlich zentrale Prüfungen“

„Bleibt ein Kind zurück, muss es wieder an die Schule.“

Der Hausunterricht soll also dieselben Qualitätsanforderungen erfüllen wie der Unterricht in der Schule. Der Lernstand soll zweimal im Jahr durch zentrale Prüfungen kontrolliert werden. Werden die Anforderungen nicht erfüllt, endet der Hausunterricht.

Das ist ein wichtiger Unterschied zum vollkommen unkontrollierten Freilernen. Die AfD fordert nicht die Abschaffung von Bildung, sondern einen anderen möglichen Lernort bei staatlich kontrolliertem Bildungsnachweis.

Unter den aktuell veröffentlichten Wahlprogrammen der größeren Parteien in Sachsen-Anhalt ist die AfD die einzige Partei, die diese Wahlfreiheit ausdrücklich fordert. CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP und BSW haben einen solchen Punkt nicht in ihren Programmen. Beim BSW ist die Lage etwas genauer zu erklären: Im Wahlprogramm des BSW Sachsen-Anhalt kommen weder Homeschooling noch Hausunterricht oder die Abschaffung der Schulbesuchspflicht vor. In Brandenburg stimmte das BSW allerdings gegen einen ähnlichen Antrag der AfD. Deshalb kann man sagen, dass das BSW diesen Weg bisher nicht unterstützt. Man sollte aber nicht behaupten, das BSW Sachsen-Anhalt habe ihn in seinem eigenen Wahlprogramm ausdrücklich abgelehnt. Das wäre schlicht nicht korrekt.

Dass gerade das BSW diese Möglichkeit nicht einmal ernsthaft aufgreift, verstehe ich persönlich nicht. Eine Partei, die ständig von Selbstbestimmung, Freiheit und weniger Bevormundung spricht, könnte wenigstens prüfen, ob ein streng kontrollierter Hausunterricht für manche Kinder sinnvoll ist. Aber politische Programme sind eben manchmal wie Überraschungseier: Man weiß nie genau, warum ausgerechnet das naheliegende Teil fehlt.

𝗨𝗻𝘀𝗲𝗿 𝗦𝗼𝗵𝗻 𝘄𝗮𝗿 𝗙𝗿𝗲𝗶𝗹𝗲𝗿𝗻𝗲𝗿

Einige von euch wissen, dass unser Sohn keinen klassischen Schulweg gegangen ist. Genau genommen war sein Bildungsweg eine Mischung aus Freilernen und Homeschooling.

Er besuchte später keine reguläre Schule mehr, wurde von uns aber nicht einfach sich selbst überlassen. Wir stellten ihm sämtliche Lernmaterialien zur Verfügung, halfen bei Fragen und sorgten dafür, dass er Zugang zu Büchern, Computern, Programmen und Kursen hatte.

Zusätzlich hatten wir für ihn einen Vertrag mit der ILS-Auslandsschule abgeschlossen. Die Kosten dafür lagen damals bei ungefähr 2.000 Euro im Jahr. Auf die Benotung und auch ganz allgemein auf die Betreuung durch die ILS haben wir vollständig verzichtet. Uns ging es ausschließlich um die Lernunterlagen, denn die waren in unseren Augen ab der fünften Klasse hervorragend für ein selbstständiges Studium geeignet. Sie waren übersichtlich aufgebaut, vollständig und ermöglichten es ihm, sich den Stoff eigenständig zu erarbeiten. Billig war das allerdings nicht. Bildung ist in Deutschland schließlich angeblich kostenlos, solange man sie genau auf dem vorgesehenen Weg konsumiert.

Der Unterschied zur normalen Schule bestand darin, dass er weitgehend selbst entscheiden konnte, wann er welches Thema lernte und wie lange er sich damit beschäftigte. Es gab bei uns keinen Stundenplan, nach dem um 8 Uhr Mathematik stattfinden musste, obwohl sein Kopf gerade vollständig bei Informatik, Fotografie oder einer anderen Sprache war.

Manchmal beschäftigte er sich wochenlang mit Mathematik, dann mit Englisch, Fotografie, Videobearbeitung oder Programmierung. Mit ungefähr 14 Jahren brachte er sich sogar Grundkenntnisse in Russisch bei, weil er damals eine Freundin in Moskau hatte. Keine pädagogische Fachkraft hatte das in einen Lehrplan geschrieben. Die Pubertät hatte offenbar ihr eigenes internationales Bildungsprogramm entwickelt.

Seinen ersten Computer bekam er mit sechs Jahren. Mit sieben belegte er bei einer deutschen Computer-Olympiade den zweiten Platz, mit acht den ersten. Mit 16 arbeitete er bereits als Freelancer und verdiente zeitweise 50 US-Dollar pro Stunde.

Später legte er über eine Nichtschülerprüfung einen anerkannten Schulabschluss ab. Danach absolvierte er sein Fachabitur im Bereich Wirtschaftsinformatik als Zweitbester seines Jahrgangs. Heute studiert er im Bereich Informatik und Mediengestaltung, entwickelt eigene Computerspiele, programmiert sie, erstellt teilweise sogar die Musik selbst und veröffentlicht seine Entwicklungen inzwischen auch für Konsolen von Nintendo und Microsoft.

Für ein Kind, dem mehrfach vorausgesagt wurde, ohne regelmäßigen Schulbesuch könne aus ihm nichts werden, ist das ein recht brauchbares Zwischenergebnis.

Ich behaupte nicht, dass er diesen Weg nur wegen des Freilernens geschafft hat. Das wäre genauso unseriös wie die Behauptung, jeder Schulabschluss sei allein der Schule zu verdanken. Ich bin aber überzeugt, dass die Freiheit, seinen Interessen intensiv und ohne ständige Unterbrechung durch einen Stundenplan nachzugehen, für seine Entwicklung sehr wichtig war.

𝗪𝗮𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝗮𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗙𝗼𝗿𝗱𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝗽𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝘃 𝗳𝗶𝗻𝗱𝗲

Nicht jedes Kind lernt auf dieselbe Weise. Manche Kinder brauchen feste Strukturen, einen klaren Stundenplan und täglich andere Menschen um sich herum. Andere lernen besonders gut, wenn sie ein Thema über Tage oder Wochen vertiefen können, ohne nach 45 Minuten alles zusammenzupacken, weil jetzt laut Klingelzeichen Gedichtinterpretation vorgesehen ist.

Eine Bildungspflicht mit überprüfbaren Ergebnissen kann solchen Familien eine legale Alternative eröffnen. Entscheidend ist für mich, dass der Staat kontrollieren darf, ob ein Kind tatsächlich die notwendigen Bildungsziele erreicht. Genau deshalb halte ich die vorgesehenen zentralen Prüfungen grundsätzlich für richtig.

Der Staat muss sicherstellen, dass jedes Kind rechnen, schreiben, lesen, Zusammenhänge verstehen und später einen anerkannten Abschluss erwerben kann. Er muss aber nicht bestimmen, ob dies zwingend in einem Schulgebäude, zu festen Uhrzeiten und nach einem starren Stundenplan geschieht.

Die Entscheidung darüber, welcher Bildungsweg für ein Kind geeignet ist, müssen in erster Linie die Eltern treffen. Sie kennen ihr Kind, seine Stärken, seine Schwierigkeiten und seine Bedürfnisse in der Regel besser als eine Behörde, die es vielleicht zweimal im Jahr auf einem Formular sieht. Mit zunehmendem Alter muss selbstverständlich auch das Kind selbst immer stärker mitentscheiden und schließlich die Verantwortung für seinen Bildungsweg übernehmen.

In diesem Punkt halte ich den Vorschlag der AfD für richtig.

𝗪𝗼 𝗱𝗶𝗲 𝗣𝗿𝗼𝗯𝗹𝗲𝗺𝗲 𝗹𝗶𝗲𝗴𝗲𝗻

Trotzdem ist Homeschooling kein romantisches Bildungsmodell, das jede Familie nebenbei am Küchentisch erledigen kann.

Wir hatten damals Zeit, finanzielle Möglichkeiten, technische Ausstattung und geeignetes Lernmaterial. Viele Familien haben diese Voraussetzungen nicht. Wenn beide Eltern täglich acht oder zehn Stunden arbeiten müssen, organisiert sich der Unterricht zu Hause nicht auf magische Weise selbst. Das Wort „frei“ erledigt weder Mathematik noch Grammatik und schon gar nicht die Pubertät.

Es gibt außerdem Eltern, die fachlich, zeitlich oder persönlich nicht in der Lage sind, ihre Kinder ausreichend zu begleiten. Es gibt Kinder, die zu Hause isoliert würden. Es gibt Familien, in denen Hausunterricht dazu missbraucht werden könnte, Kinder von anderen Meinungen, unabhängigen Bezugspersonen oder staatlicher Hilfe fernzuhalten.

Deshalb darf Homeschooling nicht vollkommen ohne Kontrolle stattfinden. Der Staat soll prüfen, ob die festgelegten Bildungsziele erreicht werden und ob das Kindeswohl gewahrt bleibt. Er soll aber nicht anstelle der Eltern entscheiden, welcher Bildungsweg grundsätzlich der richtige ist, solange die Anforderungen erfüllt werden.

Die Verantwortung für Bildungs- und Erziehungsfragen liegt für mich zuerst bei den Eltern. Sie tragen nicht nur die Verantwortung, sondern müssen auch das Entscheidungsrecht haben. Ab einem gewissen Alter muss dieses Entscheidungsrecht zunehmend auf das Kind selbst übergehen. Ein Jugendlicher, der klar sagen kann, wie und auf welchem Weg er lernen möchte, darf nicht behandelt werden, als hätte er bei der Gestaltung seines eigenen Lebens nichts mitzureden.

Der Staat darf kontrollieren, ob ein Kind tatsächlich lernt, ob es einen ausreichenden Bildungsstand erreicht und ob keine Gefährdung vorliegt. Er darf aber nicht automatisch davon ausgehen, dass nur der tägliche Besuch einer staatlich anerkannten Schule zu Bildung führen kann. Genau diese Haltung halte ich für überholt.

𝗔𝘂𝗰𝗵 𝗿𝗲𝗰𝗵𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘀𝗼 𝗲𝗶𝗻𝗳𝗮𝗰𝗵

In Artikel 25 Absatz 2 der Verfassung von Sachsen-Anhalt steht ausdrücklich: „Es besteht allgemeine Schulpflicht.“

Juristen gehen deshalb davon aus, dass eine echte Wahlfreiheit zwischen Schule und Hausunterricht wahrscheinlich nicht mit einer einfachen Gesetzesänderung eingeführt werden könnte. Dafür wäre voraussichtlich eine Änderung der Landesverfassung und damit eine Zweidrittelmehrheit im Landtag notwendig.

Die AfD kann diesen Punkt also in ein Wahlprogramm schreiben. Ob sie ihn tatsächlich umsetzen könnte, hängt jedoch nicht nur vom Wahlergebnis, sondern auch von den verfassungsrechtlichen Mehrheiten ab. Wahlprogramme sind geduldig. Verfassungen leider ebenfalls, und die lassen sich von markigen Überschriften nur selten beeindrucken.

𝗪𝗮𝘀 𝗪𝗮𝗵𝗹𝘃𝗲𝗿𝘀𝗽𝗿𝗲𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗮𝗺 𝗘𝗻𝗱𝗲 𝘄𝗶𝗿𝗸𝗹𝗶𝗰𝗵 𝘄𝗲𝗿𝘁 𝘀𝗶𝗻𝗱

Bei allem, was ich hier aus einem Wahlprogramm herauslese, bleibt natürlich eine entscheidende Einschränkung: Wahlversprechen sind in Deutschland eine ziemlich dehnbare Ware.

Das haben wir erst nach der Bundestagswahl 2025 erlebt. CDU und CSU hatten in ihrem Wahlprogramm ausdrücklich erklärt, an der Schuldenbremse des Grundgesetzes festhalten zu wollen. Dort stand sogar der schöne Satz: „Die Schulden von heute sind die Steuererhöhungen von morgen.“

Nur wenige Wochen nach der Wahl und noch bevor Friedrich Merz überhaupt Bundeskanzler war, brachten CDU/CSU und SPD im alten Bundestag eine Änderung des Grundgesetzes auf den Weg. Damit wurde ein kreditfinanziertes Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität ermöglicht. Zusätzlich wurden bestimmte Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen.

Man kann diese Entscheidung wegen der veränderten sicherheitspolitischen Lage für notwendig halten oder sie vollständig ablehnen. Aber dass sie zu dem vorherigen Wahlversprechen nur schwer passt, lässt sich kaum ernsthaft bestreiten. Zwischen „Wir halten an der Schuldenbremse fest“ und einer Grundgesetzänderung für neue Kredite in dieser Größenordnung liegt schließlich mehr als nur ein kleines sprachliches Missverständnis.

Zu behaupten, keine gewählte Partei habe jemals auch nur ansatzweise etwas aus ihrem Wahlprogramm umgesetzt, wäre allerdings zu pauschal. Viele Versprechen werden tatsächlich umgesetzt. Ebenso wahr ist aber, dass zentrale Aussagen nach Wahlen regelmäßig relativiert, verschoben oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt werden.

Deshalb bewerte ich in dieser Beitragsreihe zunächst, was im Programm steht. Ob eine Partei später auch danach handelt, ist eine ganz andere Frage. Ein Wahlprogramm ist schließlich kein notariell beglaubigter Vertrag, sondern zunächst einmal bedrucktes Papier mit sehr selbstbewussten Absichten.

𝗠𝗲𝗶𝗻 𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁

Beim Thema kontrolliertes Homeschooling gebe ich der AfD recht.

Nicht weil die Forderung von der AfD stammt, sondern weil ich sie inhaltlich für sinnvoll halte. Hätte die Linke, das BSW, die CDU oder irgendeine andere Partei denselben Vorschlag mit strengen Kontrollen vorgelegt, würde ich ihn genauso bewerten.

Eine Wahlmöglichkeit zwischen Schule und Hausunterricht kann für einen Teil der Kinder und Familien eine sehr gute Lösung sein. Sie darf aber nur gelten, wenn der Bildungsstand regelmäßig überprüft wird und das Kindeswohl geschützt bleibt.

Die Entscheidung darüber, welcher Bildungsweg für ein Kind geeignet ist, muss grundsätzlich bei den Eltern liegen. Mit zunehmendem Alter muss das Kind selbst immer stärker in diese Entscheidung einbezogen werden und schließlich selbst darüber entscheiden können. Der Staat hat die Aufgabe, Bildung zu gewährleisten und Ergebnisse zu kontrollieren. Er hat nicht die Aufgabe, jeder Familie bis ins kleinste Detail vorzuschreiben, wann, wo und auf welche Weise ein Kind zu lernen hat.

Unser Sohn zeigt, dass ein Bildungsweg außerhalb der klassischen Schule nicht automatisch in Arbeitslosigkeit, Unwissenheit oder gesellschaftlicher Verwahrlosung endet. Er zeigt aber nicht, dass dieser Weg für jedes Kind geeignet wäre. Eine persönliche Erfolgsgeschichte ist ein Beispiel, kein wissenschaftlicher Beweis und schon gar kein Rezept für Millionen Familien.

Die eigentliche Frage lautet deshalb:

Sollten Eltern zwischen Schule und kontrolliertem Hausunterricht wählen dürfen, wenn ihre Kinder regelmäßig staatliche Prüfungen bestehen müssen?

Oder muss jedes Kind unabhängig von seiner persönlichen Situation zum täglichen Besuch einer Schule verpflichtet bleiben?

Ich bin gespannt, wie ihr das seht. Und bitte erst lesen, dann empören. Diese Reihenfolge ist im Internet zwar ungewöhnlich, aber einen Versuch wäre es wert.

Über eine Diskussion freue ich mich natürlich. Ich bezweifle allerdings, dass diese Diskussion wieder von jedem sachlich geführt wird, ohne dass sofort irgendwelche Parolen herausgehauen oder kleine Bildchen veröffentlicht werden. Bei einigen reicht es offenbar nicht aus, sich ernsthaft mit einem Thema auseinanderzusetzen und auch über diese Partei sachlich zu reden. Man kann eine Partei ablehnen und trotzdem einzelne Punkte ihres Wahlprogramms vernünftig diskutieren. Genau das sollte in einer Demokratie eigentlich selbstverständlich sein, ist im Internet aber offenbar bereits eine intellektuelle Hochleistung.

𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲𝗻𝗵𝗶𝗻𝘄𝗲𝗶𝘀

AfD Sachsen-Anhalt, veröffentlichter Programmentwurf zur Landtagswahl 2026, Abschnitt „Bildungspflicht statt Schulzwang“, Seite 64; Antragsbuch zum Landesparteitag im April 2026; Wahlprogramm des BSW Sachsen-Anhalt vom 7. März 2026; MDR-Vergleich der bildungspolitischen Wahlprogramme vom 9. Juli 2026; Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt, Artikel 25; CDU/CSU-Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025, Aussagen zur Schuldenbremse; Deutscher Bundestag, Beschluss zur Änderung des Grundgesetzes vom 18. März 2025; Bundesrat, Zustimmung vom 21. März 2025; Bundesregierung, Amtsantritt von Friedrich Merz am 6. Mai 2025; Berichterstattung von MDR und Tagesschau zur Schulpflicht, zum Hausunterricht und zum Finanzpaket.

Die auf der AfD-Webseite verfügbare vollständige Fassung trägt weiterhin den Vermerk „Entwurf“ mit Bearbeitungsstand vom 5. März 2026. Das Programm wurde im April beschlossen; aktuelle Berichte zum verabschiedeten Programm bestätigen die Forderung nach der Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht. Offenbar endet politische Erneuerung gelegentlich schon daran, eine PDF-Datei auszutauschen.


Veröffentlicht mit Welako

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