Koki,s große Reise
Es war einmal ein kleines, leuchtend grünes Blatt namens Koki.
Koki wohnte ganz oben auf der Krone einer riesigen, alten Eiche.
Von dort oben konnte er weit über die Wiese schauen.
Er sah den Vögeln beim Fliegen zu und dachte: „Das möchte ich auch können!“Die anderen Blätter kicherten.
„Wir sind Blätter, Koki“, sagte ein großes, weises Blatt neben ihm. „Wir fliegen nicht.
Wir halten uns am Ast fest und fangen das Sonnenlicht.“ Aber Koki träumte weiter.
Jeden Tag, wenn der Wind durch die Äste wehte, übte er ein bisschen.
Er wackelte hin und her, streckte sich nach links und bog sich nach rechts.
Er trainierte seinen kleinen Blattstiel, um stark zu werden.
Eines Nachmittags zog ein Sommerwind auf.
Er war nicht wild, sondern tanzte sanft um die Baumkrone. „Wer will mit mir reisen?“, flüsterte der Wind. Koki wusste, dass das seine Chance war.
Er nahm all seinen Mut zusammen, holte tief Luft und ließ den Ast los.
Koki fiel nicht einfach zu Boden.
Weil er so viel geübt hatte, fing er den Wind perfekt ein.
Er segelte im Kreis, stieg nach oben und flog direkt neben einer kleinen Hummel her.
Die Hummel brummte ihm ein fröhliches „Hallo!“ zu.
Koki drehte zwei elegante Loopings über der Wiese, bevor er sanft im weichen, grünen Gras landete.
Er hatte es geschafft.
Er war das erste Blatt, das wirklich geflogen war.
Koki lag glücklich im Gras und schaute hoch zur alten Eiche.
Seine Blätter-Geschwister winkten ihm von weit oben im Wind zu.
Sie sahen aus wie winzige grüne Punkte.„Das war ein toller Flug!“, fiepste plötzlich eine Stimme direkt neben ihm.
Koki drehte sich um.
Vor ihm stand ein kleiner, glänzender Marienkäfer mit nur vier Punkten und eine wunderschöne, gelbe Löwenzahn-Blume.„Ich bin Pünktchen“, sagte der Marienkäfer und putzte sich die Fühler. „Und das ist Loni.“ Die Blume nickte Koki freundlich zu. „Wir haben deinen Flug gesehen.
Du bist gesegelt wie ein echter Vogel!“ Koki stolzierte ein bisschen auf seinem Blattstiel herum. „Danke! Ich habe auch viel geübt.“Doch plötzlich verdunkelte sich der Himmel.
Ein dicker, grauer Schatten legte sich über die Wiese. „Brumm... Brumm... Schluuupf...“ Ein seltsames Geräusch kam immer näher.„Oje, das ist der gefräßige Waldschrat-Schneckerich!“, rief Pünktchen erschrocken und krabbelte schnell unter ein breites Kleeblatt.
Auch Loni zog schockiert ihre gelben Blütenblätter zusammen.
Aus dem Gebüsch kroch eine riesige, dicke Weinbergschnecke.
Sie hatte großen Hunger und steuerte mit ihren wackelnden Fühlern direkt auf Loni zu. „Mmh, leckerer Löwenzahn, mein Mittagessen!“, schmatzte die Schnecke.
Koki wusste, dass er seine neuen Freunde beschützen musste.
Aber wie hält ein kleines, weiches Blatt eine große Schnecke auf?
Da hatte er eine Idee.
Er erinnerte sich an seinen Flug.
Koki wartete auf einen kleinen Windstoß, sprang hoch und segelte genau vor die Augen der Schnecke.
Er wirbelte wild im Kreis, machte gefährliche Windgeräusche und rief mit verstellter, tiefer Stimme: „Halt! Ich bin das wilde, fliegende Drachenblatt! Wer meinen Freunden schadet, den huste ich mit einem Riesensturm weg!“Die Schnecke stoppte erschrocken.
So etwas hatte sie noch nie gesehen: Ein Blatt, das von alleine flog und sprach? Das war ihr nicht geheuer. „Äh, Verzeihung“, murmelte die Schnecke, drehte langsam um und kroch lieber in Richtung der alten Brennnesseln davon.
Pünktchen und Loni kamen wieder zum Vorschein und jubelten.
Koki war nun nicht mehr nur das erste fliegende Blatt, sondern auch der mutigste Beschützer der Wiese.
Fortsetzung folgt:
Upvoted! Thank you for supporting witness @jswit.
das ist ja eine süße geschichte über mut und unerschrockenheit,power und liebe
denkst du dir diese geschichten selber aus??